23.03.2026

Die Pionierin der Arche-Wanderungen

Bild zeigt Astrid Froeb im Naturpark Habichtswald.

Astrid Froeb hat 2013 die erste Arche-Wanderung organisiert. Was als Ein-Frau-Pilgerreise von Tecklenburg nach Ravensburg geplant war, wurde zu einem Ereignis, das alle Beteiligten begeisterte und seitdem in ähnlicher Form alle zwei Jahre stattfindet. Kaum jemand weiß besser als Astrid, was die  Arche-Wanderungen so besonders machen. 

Astrid, wie kam es zur ersten Arche-Wanderung?

Astrid: Ich war 2013 Koordinatorin der Arche Deutschland und bekam einen Anruf von der Arche Ravensburg. Die Gemeinschaft hatte seitens der Heimaufsicht Auflagen bekommen, es ging vor allem um räumliche Veränderungen: ein Bauprojekt, das Millionen kosten sollte und sie hatten kein Geld. Was tun? Es schien, als gäbe es keine Lösung. Ich hatte damals für den Sommer drei Wochen Urlaub geplant und beschloss kurzerhand, in dieser Zeit von der Arche Tecklenburg zur Arche Ravensburg zu pilgern und dabei mein Anliegen Gott im Gebet darzubringen. Ich musste in dieser Notlage einfach das Gefühl haben, ins Handeln kommen zu können. Tobias Gerken, der damals in Ravensburg mitlebte, hörte von meinem Vorhaben und meinte, dass mich eigentlich ein Bewohner oder eine Bewohnerin begleiten müsste. So würde klar, was Arche ist und das Anliegen - die Arche Ravensburg braucht irgendwie materielle Hilfe - erfahrbarer für die Leute. Okay, habe ich gedacht, das kann ich mir vorstellen, aber dann brauchen wir einen Wagen, der das Gepäck transportiert. Also habe ich in einem Autohaus gefragt, ob sie uns einen Bulli kostenlos leihen, und nebenbei auch andere Geschäftsleute in Tecklenburg, ob sie etwas spenden. Irgendwann schrieb eine Zeitung über uns, woraufhin sich ein Ehepaar meldete, um für uns kostenlos einen Flyer zu entwerfen und während der Wanderung einen Blog zu betreuen. So kam eins zu anderen. 

Wie ging es dann weiter?

Astrid: Das Projekt wuchs und wuchs, wurde bunter und vielfältiger wegen der vielen Menschen, die sich davon angesprochen fühlten und sich beteiligen wollten. Wir sind schließlich losgegangen, ganz im Vertrauen, dass es irgendwie schon klappen wird. Am ersten Tag begleiteten uns 15 Personen aus Tecklenburg, sieben von ihnen sind die ganzen drei Wochen mitgelaufen, und es kamen immer wieder Mitwanderer für ein paar Tage dazu. Bei einer Tagesetappe kam eine Mutter mit ihrem mehrfachbehinderten Sohn überraschend dazu. Da haben wir gemerkt, dass wir Barrierefreiheit gar nicht auf dem Zettel hatten. Also mussten wir eine neue Route suchen, die barrierefrei war. Zum Glück war das für diesen Tag kein Problem. Wir machten immer wieder die Erfahrung, dass Segen auf unserer Pilgerwanderung lag.

Was habt ihr unterwegs erlebt?  

Astrid: Mein vorrangiges Ziel war ja, Gott zu bitten: Zeig uns einen Weg aus dem Dilemma. Und was passierte? Es gab Spenden von Kirchengemeinden, manche sammelten ihre Kollekte für uns oder machten uns Abendessen. Ich erinnere, dass, als wir an einem Café vorbeikamen, mir ein Mann 50 Euro in die Hand gedrückt hat. Alles in allem sind bei dieser ersten Wanderung rund 40.000 Euro Spenden zusammengekommen. Das hat uns überwältigt. Aber was viel wichtiger war: Es wurde ein gemeinschaftliches Erlebnis. Es ist unglaublich, was alles passieren kann, wenn man zusammen wandert. Unter diesem Stern stehen die Wanderung für mich noch immer. Menschen machen miteinander Erfahrungen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind und sich nach ihren Kräften einbringen. Wir lernen und profitieren voneinander.

Hättest du damals geglaubt, dass die Wanderung ein fester Termin im Arche-Kalender werden wird?

Astrid: Ehrlich gesagt, nein. Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Menschen – sei es mit oder ohne Behinderungen – daran beteiligen und sagen: Das war so gut, das möchten wir wiedermachen. Gott hat also etwas Großes daraus gemacht. Es war schnell klar, dass wir es wiederholen. Seitdem machen wir alle zwei Jahre eine Arche-Wanderung und jedes Mal sammeln wir Spenden zugunsten einer anderen Gemeinschaft. Wir sind zum Beispiel von der Arche Tirol nach Deutschland gewandert oder von der Arche Im Nauen in der Schweiz zur Arche Ravensburg. Von Mal zu Mal wurden es mehr Teilnehmende und wir lernten, zum Beispiel, dass man Etappen kürzer machen muss, je größer die Gruppe ist, also maximal 17 Kilometer pro Tag. Und dass man einkalkulieren muss, dass man sich verläuft. Wir haben bei der ersten Wanderung Rituale eingeführt, die noch präsent sind: Es gibt die Aussendungsfeier, die Morgen- und Abendimpulse, es sind immer noch schlichte Quartiere, die wir aufsuchen, wo man auf Isomatten schlafen muss beziehungsweise die Mehrfach-Behinderten auf Feldbetten, und natürlich nehmen wir immer noch einen Pilgerstab mit, den jemand für uns schnitzt. Vor allem sind die Wanderungen für jedermann offen, der oder die die Arche kennenlernen will.

Für was steht die Wanderung mittlerweile für dich?

Astrid: Das Wichtigste ist das Gemeinschaftserlebnis. Der Kontakt untereinander und dass man Zeit miteinander hat. Für mich selbst bleibt es ein Pilgern, mit dem ich ein Anliegen auf körperliche Weise zum Ausdruck bringen kann. Ich war zwischenzeitlich ein paar Jahre nicht dabei, aber dieses Mal bin ich wieder im Orga-Team und werde auch mitwandern. Ich bin sehr gespannt, wie es mir bekommen wird. Ich übernehme den Impuls am zweiten Tag und lasse mich dabei von Elementen des Waldbadens beeinflussen – es wird um die Beziehung mit der Natur gehen.



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